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chon mal bemerkt, dass das Wort immer billiger wird? Das meine ich nicht im Sinne von “preiswert”. Manchmal sind die Worte, die umsonst sind, den Preis der geopferten Zeit nicht wert.
Ehedem war das Schreiben ein Privileg. Zu Pharaos Zeiten hatten Schriftkundige einen hohen Stellenwert. Und viel Macht, wenn man bedenkt, dass selbst die Herrscher nicht schreiben konnten. Bis in unsere jüngere Vergangenheit war die Fähigkeit, Gedanken auf Papier zu bannen, nur wenigen vorbehalten. (Mancherorts ist es noch heute so.)
Jetzt haben wir die Antike, das Mittelalter und all die anderen Epochen in Zeitraffer hinter uns gebracht. Wir leben im Kommunikationszeitalter. Es wird gechattet, getwittert und geblogt, was das Zeug hält. Es kommt wirklich viel Interessantes durch den Äther auf uns zu. Allerdings fällt es zunehmend schwer, die relevanten Sätze herauszufiltern. Jeder kann schreiben. Und jeder macht es.
Schon buhlt jeder um ein Stück Aufmerksamkeit. “Hört her, was ich zu sagen habe! Mir ist eine Glühbirne geplatzt. Lady GaGa schneidet sich die Fußnägel. Im Container wird gepoppt. In China ist ein Sack Reis umgekippt.”
Die Geschwindigkeit, in der ein Gerücht die Welt umrundet, hat sich vervielfacht. Die Wahrheit bleibt nicht selten auf der Strecke, erschlagen von der Profanität des Geplappers im Netz. Jüngst musste sich Bill Cosby sogar via Facebook seines Todes erwehren, der auf Twitter zuvor lauthals verkündet und retweeted wurde.
Ich will das Internet nicht verteufeln (auch wenn der Eindruck entstehen mag). Das Social-Web ist eine wirklich große Chance und hat mir viele Möglichkeiten eröffnet, die ich als Autor und auch als Privatmann sonst niemals bekommen hätte. Viele Freunde und Bekannte habe ich gefunden, Kontakte geknüpft und Erfahrungen gesammelt.
Doch manchmal blicke ich neidvoll zu den alten Meistern zurück. Man hat ihnen zugehört, weil um sie herum alles schwieg. Was für ein Privileg!
Ich bin kein Meister.
Und obendrein muss ich den Stecker ziehen, wenn ich mich selbst noch hören will.
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