ein Restaurant liegt am Rande der Stadt. Die Panoramafenster präsentieren eine wundervolle Aussicht auf den nahen Fluss, und der große Parkplatz hinter dem Haus bietet genügend Raum für die protzigen Limousinen meiner Gäste. Die zwei Sterne am Ende meines Namens über dem Eingang bekommt bald Gesellschaft von einem dritten. Das hat den Effekt, dass die Portionen auf den Tellern nicht mehr ausreichend groß, sondern nur noch edel aussehen müssen. Die Kochbücher in der Vitrine neben der Garderobe, allesamt handsigniert, verkaufen sich bereits in der dritten Auflage. Selbst die Kritiker haben eine Warteliste für die Reservierung eines Tisches in meinem Hause.
Was ich mit den vielen Worten sagen will, ist, dass ich mir um nichts Sorgen machen muss. Neben meiner Arbeit, die ich inzwischen nicht mehr selbst ausführe, habe ich viel Zeit, mich um meine Kunden zu kümmern. Ich muss viel reden. Das gehört als etabliertes Mitglied der oberen Zehntausend mit zum Geschäft. Die Leute sollen sich wohl fühlen. Sie wollen hofiert und geschmeichelt werden. Als Gegenleistung kommen sie wieder. Sie bringen Freunde mit und auch ihre Familien. Wenn sie denn welche haben. Das Problem der neureichen Yuppies ist, dass sie viel für ihre Karriere opfern. Im Jetset haben Kinder und Freunde nicht viel Platz. Schnell und oberflächlich müssen ihre Leben sein.
Ich halte dies nicht für gut, denn es sollte doch ein natürlicher Prozess sein, dass gerade die, denen es wirtschaftlich gut geht, sich vermehren. Doch in unserer Gesellschaft scheint es genau umgekehrt zu sein. Die sozial Schwachen bekommen die Kinder und die Reichen haben nur Angst davor, ihr Leben anders zu gestalten.
Nun... vor ein paar Wochen habe ich einen Entschluss gefasst. Mit einfachen Mitteln kann man dieser Entwicklung Einhalt gebieten. Seit einiger Zeit lasse ich mir von meinem Arzt regelmäßig zwei Medikamente verschreiben. Er hat zwar keine Ahnung, wofür ich sie verwende, aber da ich Privatpatient bin, fragt er glücklicherweise nicht nach.
Es ist so: Wenn eine Frau Antibiotika einnimmt, dann hebt das die Wirkung der Antibabypille auf. Auch Johanniskraut hat diesen Effekt. Versetzt mit etwas pulverisierten Viagra, habe ich für eine bestimmte Altersgruppe meiner Klientel eine neue Würzmischung entworfen. Mit viel Pfeffer, Paprika und verschiedenen anderen Geheimzutaten empfehle ich sie scherzhaft als „Scharfmacher“. Was soll ich sagen? Es ist der Renner.
(c) Acabus Verlag
”Kleine Scheißhausgeschichten
” 68 kurzweilige Geschichten (auch) zum Schmunzeln erschienen im September 2010 als Taschenbuch im Acabus-Verlag, Hamburg ISBN: 978-3-941404-64-9
hier umblättern
|